Programm

Veranstaltungen

Untenrum verhandelt. Gynäkologien zwischen Wissen und Macht war vom 17.06. bis 08.07.2026 im Medizinhistorischen Museum Hamburg zu sehen und wurde von einem künstlerischen und wissenschaftlichen Rahmenprogramm begleitet.

Ort: Martinistraße 52, Fritz-Schumacher-Haus (Haus N30.b), 20246 Hamburg. Öffnungszeiten zwischen dem 20.06. und 08.07.2026: mittwochs, samstags und sonntags von 13–18 Uhr.

17.06.2026, 20:00–22:00 Uhr

Vernissage

Lesung von Julia Haennis Theatertext "frau heilt (party)", gelesen von Johanna Dähler (Leipzig)

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Eröffnet wurde die Vernissage mit Grußworten von Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt, Klinikdirektorin der Gynäkologie, und Prof. Dr. Philipp Osten, Direktor des Medizinhistorischen Museums.

frau heilt (party). Sprechtheater, Schauspiel (2024). Eine Frau hatte Schmerzen und ging zum Arzt, zum ersten, zum zweiten, zum vielten. Keiner der weißen Männer in Weiß hatte eine Lösung für ihre Unterleibsschmerzen. Geschweige denn Zeit, diese ernst zu nehmen. Julia Haenni spannte in ihrem neusten Stück die jahrhundertealte Geschichte des männlichen Blicks auf den weiblichen Körper vor den Karren – und mit ihr die Geschichte der westlichen Medizin, die bis vor Kurzem kein Interesse an Krankheiten nicht männlich gelesener Körper hatte.

Witzig und klug stellte der Text wissenschaftliche Mythen in ihrem hartnäckigen Andauern aus. Und dennoch: Das vielstimmige Reden schnellzüngiger Frauen half nicht gegen ihren Schmerz, der zugleich in ihren Körpern und im System festsaß. Was brauchten nicht männlich sozialisierte Menschen, um im Zentrum ihrer Kraft und frei von gesellschaftlichen Zu- und Eingriffen leben zu können? „frau heilt" versprach weder Patentrezept noch die alle erlösende Party. Aber nach zweitausend Jahren Patriarchat endlich einen Streifen Licht am Horizont.

Julia Haenni (*1988 in der Schweiz) ist Regisseurin und Theaterautorin. Ihre Stücke wurden an Theatern und Festivals in ganz Europa gezeigt, mehrfach übersetzt und ausgezeichnet. Zuletzt erschien „frau verschwindet. Eine Trilogie" (Verlag der Autor:innen). Sie ist Dozentin im Regiestudiengang der Zürcher Hochschule der Künste.

Johanna Dähler studierte Theater- und Tanzwissenschaft (Leipzig, FU Berlin) sowie Schauspiel an der Hochschule der Künste Bern. Sie spielte u. a. in Bern, Fürth und Heidelberg und ist seit 2022 überwiegend in Projekten der Freien Szene Schweiz zu sehen. Mit Daniela Ruocco arbeitet sie unter dem Label „fisting*sisters" performativ-musikalisch-multilingual.

28.06.2026, 15:00–18:00 Uhr

Künstlerischer Workshop „Unerhörte Körper"

Schreiben, Collagieren und Basteln mit Temenuga Fiebig und Maya Freiesleben

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Wie konnten Körper, die gesellschaftlich marginalisiert, pathologisiert oder unsichtbar gemacht wurden, eine eigene Sprache finden? Und wie konnte diese Sprache der unerhörten Körper aussehen? „Unerhört“ konnte vieles bedeuten: nicht gehört werden, zum Schweigen gebracht werden – oder sich das Recht herausnehmen, zu sprechen, zu stören und Widerstand zu leisten.

Im Workshop erkundeten die Teilnehmenden gemeinsam die Räume zwischen Unsichtbarkeit und Widerständigkeit. Durch vernetztes Schreiben, Collagieren, Basteln und Verknüpfen suchten sie nach einer vielstimmigen, eigensinnigen Körpersprache. Sie ließen Körperteile sprechen, schickten sie in den Dialog mit Institutionen und erprobten Mehrstimmigkeit als Form des Widerstands.

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Fotos: Temenuga Fiebig

01.07.2026, 18:00 Uhr

Vortrag: „Körper, Macht, Gesellschaft"

Umkämpfte Wissensordnungen der Gynäkologie – Prof. Dr. Sophie Witt & Prof. Dr. Sandra Dinter (UHH)

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Wie wurde gynäkologisches Wissen erzeugt, verbreitet und hinterfragt? Der Vortrag stellte ein bilinguales Seminar der Universität Hamburg vor, das im Schnittfeld von Literaturwissenschaft, Medical & Health Humanities und Cultural Studies kulturelle Konstruktionen des weiblich codierten Körpers untersuchte. Ausgehend von historischen Wissensbeständen analysierten Studierende deutsch- und englischsprachige Gegenwartstexte zu Menstruation, Reproduktion und (queerem) Recht, Geburt und Elternschaft, Menopause, Endometriose, Vulva-Diskursen und Aktivismus. Im Zentrum stand die Frage, wie gynäkologische Wissensordnungen als kulturell geprägte und politisch umkämpfte Ordnungen von Körper, Macht und Gesundheit sichtbar wurden. Abschließend wurde das Potenzial forschend-kreativer Wissensformen für kritische Körperpolitiken und interdisziplinäre Gesundheitsdiskurse diskutiert.

08.07.2026, 18:00 Uhr

Finissage: zum Thema Endometriose

String Tension History – Installations- und Videoperformance von Kirstin Burckhardt und Mario Asef. Vortrag von Dr. med. Johann Kornowski über Endometriose und chronischen Schmerz im Becken der Frau. Auf Deutsch und Englisch.

„String Tension History“ – Körper als Ort von Verletzung, Fürsorge und Veränderung. Eine Installation und Video-Performance, die die Beziehung zwischen der Künstlerin Kirstin Burckhardt und ihrer historischen Harfe ins Zentrum stellte. Für die Ausstellung Untenrum verhandelt sprach sie erstmals öffentlich über den Entstehungsprozess und gab einen persönlichen Einblick in die Arbeit, die 2026 auf der Dystopia Sound Art Biennale in Berlin uraufgeführt wurde. Die Arbeit begriff den Körper als Ort von Verletzung, Fürsorge und Veränderung und zeichnete die angespannten Verhältnisse zwischen überlieferten Geschichten, medizinischer Ethik und institutionalisierten Praktiken nach – verbunden mit einer persönlichen Erfahrung von gynäkologischer Krankheit und chirurgischem Eingriff. Was blieb, war keine Auflösung, sondern Vibration.

„String Tension History“ is an installation and video performance centered on the relationship between the artist, Kirstin Burckhardt, and her historic harp. It situates the body as a site of damage, care, and change – tracing the taut relations between inherited histories, medical ethics, and institutionalized practices. What remains is not resolution, but vibration.

Kirstin Burckhardt is a visual artist and psychotherapist combining video and performance with sound and spoken word. Drawing on her training in psychology and neuroscience, her practice addresses power dynamics intertwined with the body.

Mario Asef is an architect and conceptual artist based in Berlin and chairman of Errant Sound e.V. His projects address ecological and socio-political issues and confront questions of their spatial and linguistic representability.