Der weibliche Körper

Über lange Zeit wurden große Teile des weiblichen Körpers vor allem durch männlich geprägte medizinische Perspektiven untersucht und klassifiziert. Bestimmte Aspekte weiblicher Anatomie und Sexualität blieben untererforscht, unsichtbar oder tabuisiert. Dies gilt etwa für die Klitoris und weibliche Lust, für Menopause und Menstruation oder für Krankheiten wie Endometriose.

Die hier gezeigten Exponate machen sichtbar, wie Vorstellungen von Weiblichkeit, Gesundheit und Sexualität entstehen. Sie zeigen, dass medizinisches Wissen nie nur beschreibt, sondern auch prägt, worüber gesprochen, was erforscht und wie der Körper verstanden wird. Zugleich werfen sie die Frage auf, wie eine gerechtere Aufklärung und medizinische Versorgung aussehen könnten.

Postkarten

Mit offenen Karten

With Open Cards

Mit offenen Karten ist ein kollaboratives feministisches Aufklärungsprojekt: Die Postkarten, die frei im öffentlichen Raum ausliegen können, greifen Themen auf, die in Medizin, Aufklärung und öffentlicher Debatte lange Zeit marginalisiert oder tabuisiert wurden. Sie widmen sich Themen rund um Körperwissen, gesellschaftliche Normen, Gesundheit und Sexualität – besonders dort, wo Wissen fehlt, Tabus bestehen oder Mythen weitergegeben werden.

Die Postkarten sind ein Projekt von Maya Freiesleben.

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Postkarte 1 – VorderseitePostkarte 1 – Rückseite
Postkarte 2 – VorderseitePostkarte 2 – Rückseite
Postkarte 3 – VorderseitePostkarte 3 – Rückseite
Postkarte 4 – VorderseitePostkarte 4 – Rückseite
Postkarte 5 – VorderseitePostkarte 5 – Rückseite
Postkarte 6 – VorderseitePostkarte 6 – Rückseite
Postkarte 7 – VorderseitePostkarte 7 – Rückseite

Modell der weiblichen Geschlechtsorgane

Model of the Female Reproductive System

Reliefartiges Gipsmodell der weiblichen Geschlechtsorgane im Medianschnitt

Anatomische Modelle werden vor allem zu Lehrzwecken, oft aber auch in der Aufklärung von Patient:innen eingesetzt. Lehrmittelhersteller boten ihre Produkte für Krankenhäuser, Schulen oder Arztpraxen an. Wo dieses Relief-Gipsmodell angefertigt und genutzt wurde, ist nicht überliefert. Es zeigt die weiblichen Geschlechtsorgane im Medianschnitt. Die handschriftlichen Nummern verwiesen vermutlich auf eine erklärende Tafel, die nicht mehr erhalten ist. Was dargestellt wurde und was nicht, gibt heute auch Aufschluss über medizinische und gesellschaftliche Diskurse.

um 1910 | Gips, Holz | Inventar-Nr. 24801

Vaginalspekulum nach Seyfert

Vaginal Speculum

Vaginalspekulum nach Seyfert aus Metall in einer Acrylglas-Vitrine

Das Spekulum (lat. für Spiegel) ist das gynäkologische Instrument schlechthin. Mit seinen spreizbaren Blättern ermöglicht es Untersuchungen der Vagina und Abstriche des Gebärmutterhalses. Kaum ein Instrument wurde in so vielfältiger Form entwickelt, um jeweils unterschiedlichen Verwendungszwecken und anatomischen Gegebenheiten gerecht zu werden. Viele Ärzte verewigten ihren Namen mit dem Typus der von ihnen gestalteten Instrumente. Dieses Modell erhielt seine Bezeichnung durch den österreichischen Gynäkologen Bernhard Seyfert (1817–1870). Per Daumendruck lassen sich die Blätter nach Bedarf fixieren oder lösen.

um 1930 | Metall | Inventar-Nr. 13151

Buch: Die Frau als Hausärztin

Book: The Female GP

Buch „Die Frau als Hausärztin“ von Anna Fischer-Dückelmann mit Zubehör

Mit ihrem Ratgeber und Nachschlagewerk lieferte die Ärztin Anna Fischer-Dückelmann ab 1901 „eine Fülle von praktischen Ratschlägen, Lebensregeln und Warnungen zur Erhaltung und Wiedergewinnung der körperlichen und seelischen Gesundheit". 1896 in Zürich promoviert, gehörte sie zu den ersten Frauen, die das Medizinstudium absolvieren durften. Ihr „goldenes Frauenbuch" verkaufte sich millionenfach und wurde vielfach neu aufgelegt. Vielen Leserinnen bot das Buch eine Möglichkeit zur sexuellen Aufklärung, die sie anderswo nicht fanden. Heute gibt es Einblicke in zeitgenössische Geschlechterbilder und weibliches Gesundheitswissen im frühen 20. Jahrhundert.

Anna Fischer-Dückelmann | Süddeutsches Verlags-Institut, Stuttgart | 1923 | Inventar-Nr. 12078

Magnus Hirschfelds Geschlechtskunde

Magnus Hirschfeld's Sexology

Aufgeschlagenes Exemplar von Magnus Hirschfelds Geschlechtskunde mit anatomischen Abbildungen

Der Berliner Arzt Magnus Hirschfeld gilt heute als Pionier der Sexualwissenschaft. Seine wegweisenden Studien veröffentlichte er in einem vierbändigen Werk. Der hier gezeigte letzte Band sammelte Bilddarstellungen zu diversen Bereichen seiner Forschungen, u.a. zum kulturellen Umgang mit ‚Jungfräulichkeit', Menstruation und weiblicher Sexualität. Von den Nationalsozialisten wurde Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft 1933 geplündert und zerstört. Als Jude von Verfolgung bedroht, kehrte er aus dem amerikanischen Exil nicht mehr nach Deutschland zurück.

Magnus Hirschfeld | Verlag Julius Püttmann | 1930 | Inventar-Nr. 12077,0004