Die Klitoris – Wissen macht Lust
Anatomisch sind Klitoris und Penis eng verwandt: Sie entwickeln sich aus denselben embryonalen Anlagen und teilen zentrale Strukturen. Trotzdem spielt die Klitoris in medizinischer Ausbildung, Aufklärung und öffentlicher Wahrnehmung bis heute eine untergeordnete Rolle.
Neuere Forschungen zeigen, dass die Klitoris über ein komplexes, weit verzweigtes Nervennetz verfügt und ein zentrales Organ sexueller Lust ist. Die Geschichte ihrer (Nicht-)Erforschung wirft zugleich Fragen danach auf, welche Körper wissenschaftlich in den Blick geraten und welches Wissen weitergegeben wird.
Ein vertieftes Verständnis der klitoralen Anatomie trägt nicht nur zur medizinischen Versorgung bei, sondern auch zu Aufklärung, Gesundheit und Selbstbestimmung.
Nach Mandy Mangler, Don’t Miss the Clitoris (2026).
Stickereien
Das beste Stück
The Best Part


Das Projekt ist inspiriert von der langen Tradition feministischer Stickkunst, die im Zuge der zweiten Frauenbewegung der 1960er-Jahre entstand. Künstlerinnen eigneten sich die weiblich konnotierte, oft abgewertete Handarbeit bewusst wieder an. Sie nahmen Sticken als Kommunikationsmittel und Form des weiblichen Ausdrucks ernst und machten es so zu einem Instrument von Aktivismus und Protest.
Das Projekt lenkt die Aufmerksamkeit auf die Klitoris als ein dem Penis anatomisch entsprechendes Organ und spielt dabei mit sprachlichen Zuschreibungen, die traditionell mit dem Penis und Männlichkeit verbunden sind. Die weit verzweigten Nervenbahnen der Klitoris – wie sie kürzlich in einer Studie von Ju Young Lee et al. vollständig kartiert wurden – sind in unterschiedlichen Farben gestickt und machen die komplexe Anatomie dieses lange vernachlässigten Organs sichtbar.
Quelle: Ju Young Lee et al., „Neuroanatomy of the Clitoris“, 2026 (Preprint).
Ein Projekt von Paula Bannasch und Jonna Petz.
Collage
Vielfalt der Masturbation
The Diverse Forms of Masturbation

Masturbation ist ein wichtiger Bestandteil sexueller Gesundheit und fördert ein positives genitales Selbstbild sowie sexuelle Selbstbestimmung. Dennoch wird weibliche Masturbation bis heute von androzentrischen und heteronormativen Vorstellungen geprägt, die Penetration als zentrale sexuelle Praktik darstellen, obwohl sie für den weiblichen Orgasmus häufig nicht ausschlaggebend ist. Die Folge sind Tabus, Scham und Wissenslücken rund um weibliche Sexualität.
Die Collage setzt sich künstlerisch mit der Vielfalt von Masturbationspraktiken auseinander und hinterfragt gesellschaftliche Stigmatisierungen. Inspiriert von der somaästhetischen Forschung von Dianya Mia Hua, die gelebte Erfahrungen von Lust und Masturbation durch Stickerei sichtbar macht, entstand eine eigene künstlerische Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität, Körperwissen und Selbstermächtigung.
Das Projekt erstellten Paula Bannasch, Rosana Fee Buhtz, Jonna Pelz und Helena Radeke.